Nahwärmenetz für Rasdorf

Der Gemeindevorstand der Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf hatte am 06.06.2018 zu einer Informationsveranstaltung zum Aufbau eines Nahwärmenetzes mit regenerativer Wärmeerzeugungsanlage in den Landgasthof „Zum Adler“ in Rasdorf eingeladen. Bürgermeister Jürgen Hahn begrüßte die erschienenen Bürgerinnen und Bürger, den Vorsitzenden der Gemeindevertretung Klaus-Peter Sauerbier sowie die Referenten des Abends Dipl.-Ing. Thomas Raussen vom Witzenhausen Institut, Dipl.-Ing. Arno Nüßlein aus Sommerach und den Vorstandsvorsitzenden der Nahwärme Genossenschaft Grüsselbach e.G. Frank Gollbach.

Bürgermeister Jürgen Hahn erläuterte, wie es zu der Informationsveranstaltung gekommen sei und warum ein Nahwärmenetz mit zentraler Bioenergie-Wärmeerzeugungsanlage eine Chance für Rasdorf darstelle. Mit dem Erwerb des Grundstücks Landstraße 15 durch die Gemeinde sei die Idee eines Nahwärmenetzes in Rasdorf erneut aufgekommen. Deshalb sei zunächst eine Informationsveranstaltung für Teile der Landstraße, Setzelbacher Straße, Stiftstraße und Herzigstraße am 8. März 2018 durchgeführt worden. Auf Grund der guten Resonanz und der Nachfrage weiterer Bürgerinnen und Bürger aus anderen Bereichen des Dorfes solle nun mit dieser Veranstaltung das Interesse aller Rasdorfer ausgelotet werden. Ein Nahwärmenetz mit zentraler Wärmeerzeugungsanlage stelle aus seiner Sicht eine große Chance für Rasdorf dar. Damit könnte mehr Wertschöpfung vor Ort und in der Region betrieben werden. Bei rund 420 beheizten Gebäuden fliese umgerechnet jährlich ein Kapital von rund 700.000,00 € aus Rasdorf ab. Gelänge es, dieses Geld in der Region zu behalten, könnte in verschiedenen Bereichen Wertschöpfung vor Ort betrieben werden. Eine Umstellung auf erneuerbare Energieträger führe ebenfalls zu einer enormen Einsparung  und wäre ein weiterer großer Schritt hin zu einer klimaneutralen Gemeinde. Darüber hinaus könnte der Ausbau des Nahwärmenetzes dazu genutzt werden, gleichzeitig Glasfaser bis ins Haus zu verlegen.

Dipl.-Ing. Thomas Raussen vom Witzenhausen Institut erläuterte, wie Wärme derzeit in Deutschland produziert wird und macht am Beispiel Dänemark deutlich, dass es ohne weiteres möglich sei, zu 100 % auf regenerative Energien umzustellen. Er erläuterte weiter, wie ein Nahwärmenetz funktioniert, welche Wärmekosten ein durchschnittliches Einfamilienhaus bisher hat und welche Kosten durch einen Nahwärmeanschluss entstehen. Als Fazit stellte er fest, regenerative Nahwärme sei ökologisch top! Sie gebe den Haushalten Unabhängigkeiten durch frei werdende Räume und kein Kümmern um Brennstoffe. Außerdem sei Nahwärme oft günstiger als eine eigene Versorgung.

Der Vorstandsvorsitzende der Nahwärme Genossenschaft Grüsselbach e.G. Frank Gollbach stellte das in den Jahren 2010 bis 2012 geplante und umgesetzte Projekt in Grüsselbach vor. Ausführlich informierte er darüber, warum man sich in Grüsselbach für eine Genossenschaft als Betreiber entschieden habe. Einer der Hauptgründe sei, dass eine Genossenschaft nicht gewinnorientiert sondern zum Wohle ihrer Mitglieder handele und wirtschafte. Mit dem Anschluss an ein Nahwärmenetz entfalle die Wartung, Instandhaltung und natürlich auch die Erneuerung der eigenen Heizung. Der Schornsteinfeger werde ebenfalls nicht mehr benötigt. Das Feilschen um Heizölpreise entfalle und man könne mittelfristig von einem konstanten Wärmepreis, der von den Mitgliedern der Genossenschaft festgelegt werde, ausgehen.

Wie eine solche Anlage funktioniert und welche Modelle für den Betrieb eines Nahwärmenetzes in Rasdorf möglich sind, stellte Dipl.-Ing. Arno Nüßlein heraus. So sei z. B. ein Netz für ganz Rasdorf aber auch mehrere kleine Netze, die in Zukunft evtl. auch verbunden werden könnten, möglich. Als Energieträger für die zentrale Wärmeerzeugungsanlage seien Hackschnitzel oder Hackschnitzel in Verbindung mit Solarthermie, Biogas oder Hackschnitzelvergasung denkbar. Für all diese Varianten gebe es funktionierende Referenzobjekte.

Den Fachvorträgen schloss sich eine lebhafte Diskussion an, wobei alle Fragen von den Fachleuten kompetent beantwortet wurden.

Alle Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer, die weitere Informationen benötigen oder Interesse an dem Projekt haben, werden gebeten, sich bei der Gemeindeverwaltung Rasdorf telefonisch (06651 96010) oder persönlich zu melden. Auch wer sich aktiv an der Planung und Umsetzung des Projektes beteiligen möchte, melde sich bitte ebenfalls bei der Gemeindeverwaltung.

Die Arbeitsgruppe wird sich in Kürze erstmals treffen und die weitere Vorgehensweise besprechen.