Philip Bölter live in der Stifskirche

Philip Bölter kam in seine ehemalige Heimat. In der Stiftskirche Rasdorf zeigte er in einem Konzert sein Können und verschmolz quasi mit seiner Gitarre.

Philip Bölter ist in Rasdorf kein Unbekannter. Im Alter von knapp zwei Jahren kam er mit seinen Eltern nach Rasdorf. Mit 11 Jahren bekam er seine erste Gitarre, die zu seiner Leidenschaft wurde. Auftritte hatte er bereits bei den Kirchbaufesten zur Jahrtausendwende und einem Konzert im Jahre 2015. So war natürlich die Erwartung unter den Gästen, die Anzahl war coronabedingt beschränkt, in der Rasdorfer Stiftskirche groß.

Aus dem einst wilden Rockmusiker ist ein Liedermacher geworden. In der Live-Szene machte sich der 31-jährige mit seinen Konzerten, Alben und Songs einen Namen. Er erhielt den „Robert Johnson Guitar Award“ und den „Deutschen Rock & Pop Preis“. Scheinbar locker begrüßte der jetzt in Schwaben wohnende Musiker mit „Schön, dass ihr da seid und schön wieder mal hier zu sein“ die Zuhörerinnen und Zuhörer. Doch eine gewisse Erregung vor „heimischem“ Publikum zu spielen war spürbar. Habe er früher seine Lieder in Englisch geschrieben und gesungen, so sei er jetzt ein deutsch-singender Liedermacher. „Lockdown Leid“ sein erster Song ließ aufhorchen. Nicht alleine wegen des Textes, sondern wegen der Töne, die er seiner Resonator-Gitarre entlockte. So ging es weiter mit den Liedern „Therapie, Zwischen Tour und Angel, Hörst du mir zu oder Man muss nehmen, was man kriegen kann“. Letzteres ein ausgesprochen sozialkritischer Text, der menschliche Habsucht ausdrückt. Mit „Hörst du mir zu“ setzt er sich mit dem frühen Tod seines Vaters und wie dieser ihm manchmal fehlt, auseinander.

Virtuos versetzte er bei den Liedern die Saiten in Schwingung, percussionähnlich bearbeitete er den Gitarrenkörper, spielte Akkorde und Melodien und ließ seine Hand über den Gitarrenhals gleiten, um Höhen und Tiefen erklingen zu lassen. Mit seinem Fuß trat er die Bass-Drum auf seiner Stompbox und sah man nicht hin, so konnte man glauben eine mehrköpfige Band stehe im Altarraum. Seine Dynamik war schwindelerregend und zwischendurch konnte man sich fragen, ob er die Gitarre spielt oder ob er von der Gitarre gespielt wird.  Seiner Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein und musste er seine Gitarre nachstimmen, so animierte er sein Publikum, die Zeit durch Beifall zu überbrücken. Die Mundharmonikas wechselte er je nach Bedarf und seine Stimme war selbst Instrument.

Eigentlich hätte es keines Mikrofons bedurft, denn die Stiftskirche bietet eine herausragende Akustik. Und so wurden die reinen Instrumentalstücke mit ihrem Wechsel zwischen lauten und leisen Tönen zu einem besonderen Genuss. Natürlich waren die Fragen, ob man eine Pause wolle oder genug Musik gespielt sei, rein rhetorisch, denn Philip Bölter in Aktion ließ die Zeit vergessen. Langer stehender Applaus am Schluss brachte dem Publikum zwei Zugaben ein. Nach dem Evergreen „Wonderful World“ von Luis Armstrong, den Philip Bölter in Deutsch umgetextet hatte, verabschiedete er sich mit „Ich hoffe wir sehen uns bald wieder“.

Bürgermeister Jürgen Hahn, der zu Beginn begrüßt hatte, dankte am Schluss dem Kultursommer Main Kinzig Fulda, in dessen Rahmen das Konzert stattfand.  Sein Dank galt auch der Kirchengemeine und dem Lyzeums-Fonds für die Bereitstellung der Stiftskirche, sowie der Volkshochschule Fulda, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen für die finanzielle Unterstützung.